(SP/GM) Damals gab es nicht nur Atari, Pac-Man und Schallplatten. Auch damals gab es schon Mode für Herren. Das Bewusstsein des männlichen Geschlechts für Styling, Urbanität und Lifestyle glich jedoch einem schlafenden David gegen den mächtigen Modeboss Goliath. Der einstige David ist mittlerweile erwacht und umzingelt von Produkten, die Haut, Haare oder Füße schöner machen sollen. Doch abgesehen von Pflegeprodukten erfährt insbesondere die Mode seit einigen Jahren einen regelrechten Männer-Boom, klarer Trend: Zu keinem Zeitpunkt der jungen Geschichte standen Schuhe in so einem hohen Fokus wie heute.

Foto: shutterstock / jokerpro
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Renaissance der Modekultur
Sandalen, Ringelsocken, Bauchtasche. Zugegeben: Dieses typische, sommergeprägte Bild eines Durchschnittsmannes aus den 1980er Jahren taucht auch heute hier und da immer wieder zwischendurch auf, doch der modische Wandel beim starken Geschlecht erlebt eine einzigartige Renaissance. Männer werden eitel, achten auf ihr Aussehen und wollen beim Balzverhalten statt Schlabber-Look eher mit Schirm, Charme und Melone um die Gunst der Angebeteten buhlen. Doch dieser Grad des Eigenbewusstseins ist bei weitem keine Erfindung der postmodernen Styling-Industrie, im Gegenteil. Schönheit und Körperkult standen bei den Griechen für eine reine Männerdomäne – und auch im Zeitalter von Rokoko verdeutlichte der männliche, teils hoch exzessive Körperkult den Ausdruck einer geistigen, teils ideellen männlichen Überlegenheit.
Testimonials als Leitbild
Vorbilder prägten damals wie gegenwärtig den Stil und das Modebewusstsein ganzer Generationen. Während heutzutage Teenie-Stars wie Justin Bieber oder Fußball-Ikone David Beckham den Status-Quo des echten Mannes inszenieren, waren es in der Vergangenheit Persönlichkeiten wie Iulius Cäsar bis hin zu Abraham Lincoln, die geprägt durch ihre öffentliche Wirkung und einer damit verbundenen Visualisierung ideeller Überzeugungen die Messlatte gemäß Herbert Grönemeyer dafür setzten, wann ein Mann ein Mann ist. Und dass diese Messlatte ziemlich individuell ausfallen kann, zeigt nicht zuletzt die Beeinflussung der höfischen Männermode Ludwigs XIV aus Frankreich, der mit seiner extrovertierten Art eine ganze Dynastie in den Bann zog.
Mode als Ausdruck von Individualität
Jede Epoche ist zugleich auch ein Spiegelbild der Mode. Ob „no-future“ 1980er-Look, eingedeutschte amerikanische Hochsteckfrisuren der 1950er oder die freizügige „wir-lieben-uns-alle“1968-Bewegung: Gesellschaftspolitik und Mode bilden eine unverkennbare Einheit und entwickeln dabei zumeist eine imposante Eigendynamik. Und dank des Internets wird in Foren weltweit diskutiert, was nun wirklich „in“ ist und was „out“. Seit Jahren scheiden sich etwa unter Business-Männer die Geister, ob nun rahmengenähte oder dann doch holzgenagelte Schuhe für das Nonplusultra an Qualität stehen. Modemagazine wie „Brigitte“ widmen sich zweiwöchentlich dem Zeitgeist der Mode, fragen nach den Unterschieden zwischen rosa oder pink. Mode als kultureller Botschaft, die auch individuelle Weltanschauungen berücksichtigt und selbst Diskussionen um vegane Schuhe ermöglicht.
So schnell wie Trends entstehen, so schnell können sie auch wieder vorbeisein. Um als Mann seinen Mann zu stehen, sollte der modebewusste Herr in diesem Jahr „weiß“ zeigen: Weiße Sneaker stehen für den Männertrend in der Frühjahres-/Sommermode 2015 und stehen damit in Kontrast zum „Black-Look“ der weiblichen Schuhmode 2014". Glücklicherweise sind jedoch auch im Jahre 2015 weiße Socken immer noch ein „no-go“.
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